[Hinweis der Redaktion: Dies ist ein Gastbeitrag in unserem Blog von Rob Mayzes, Produzent, Mischtoningenieur und Gründer des Home Studio Center – einer Webseite, die wertvolle Tipps zum Aufnehmen in Home Studios bietet.]

In den meisten Genres sind die Vocals der wichtigste Teil des Mix.

Besonders in modernen Popstilen gibt es eine Reihe von Techniken, mit denen die Stimme moderner, wertvoll und professionell klingt.

Wenn Du diese zehn Techniken anwendest, verbessert sich Dein Mix als Ganzes.

1. Top-End Boost

Dies ist wohl der einfachste und schnellste Weg, damit eine Stimme teurer klingt. Die meisten Boutique-Mikrofone heben den Top-End-Bereich hervor. Wenn Du preisgünstigere Mikrofone verwendest, kannst Du ganz einfach die Höhen stärken, um dieses Charakteristikum zu reproduzieren.

Am besten gelingt Dir dies mit einem analogen Modelling-EQ, wie etwa dem kostenlosen Slick EQ. Benutze ein hohes Shelf und beginne mit einem Boost von 2dB bei 10kHZ.

Experimentiere mit der Frequenz und der Menge an Boost. Du kannst bis auf 6kHz runter gehen (aber nutze dies sehr subtil) und Du kannst bis zu 5dB über 10kHz boosten. Achte aber darauf, dass der Sound nicht zu harsch oder brüchig wird.

2. Verwende einen De’Esser

Wenn Du das Top-End boostest, kann es passieren, dass die Vocals einen Zischlaut bekommen. Um diesem Problem zu begegnen, kannst Du einen De-esser verwenden.

Diese einfachen Werkzeuge sind Grundbestandteil des Abmischprozesses bei Vocals und werden in 80 Prozent aller Fälle benötigt. Meine Erfahrung ist, dass sie am besten ganz am Anfang oder ganz am Ende der Plugin-Kette funktionieren.   

3. Entferne Resonanzen

Falls Du in einem Raum aufnimmst, der nicht gerade ideal ist, können sehr schnell Resonanzen in dem Raum entstehen. Finde diese Echos mithilfe der „Boost and Sweep“-Technik und entferne Sie dann mit einem genauen Schnitt.

4. Kontrolliere die Dynamik durch Automation

Für einen modernen Sound muss die Dynamik der Vocals extrem konsistent sein. Jedes Word und jede Silbe sollten ungefähr auf dem gleichen Level sein.

In den meisten Fällen kann dies nicht alleine durch Kompression erreicht werden. Benutze stattdessen Automation, um die Stimme manuell auf einen Level zu bekommen.

Ich bevorzuge eine Gain-Automation, um Konsistenz vor dem Kompressor zu erreichen. Aber die reguläre Lautstärken-Automation funktioniert ebenfalls gut.

5. Gleiche Spitzen mit einem Limiter aus

Das Nutzen eines Limiters nach der Kompression ist ebenfalls eine sehr gute Methode, um Dynamiken zu kontrollieren.

Du musst dies nicht sehr aggressiv anwenden (es sei denn, dass Du einen extrem komprimierten Sound haben möchtest). Bemühe Dich lediglich bei den lautesten Spitzen um eine Gain-Reduktion von 2dB.

6. Verwende eine Multiband-Kompression

Wenn sich Sänger zwischen verschiedenen Tonlagen bewegen, kann sich der Ton ihrer Stimme ändern. Wenn ein Sänger oder eine Sängerin beispielsweise eine niedrige Tonlage erreichen, kann die Stimme anfangen, sich trübe anzuhören. Statt dies mit dem EQ abzustellen und die problematischen Frequenzen komplett von der Aufnahme zu entfernen, kannst Du auch eine Multiband-Kompression verwenden, um diese Frequenzen lediglich dann zu kontrollieren, wenn sie zum Problem werden.

Bei Problemen mit Frequenzen, die nur bei bestimmten Wörtern oder Phrasen auftauchen, benutze eher eine Multiband-Kompression statt dem EQ.

7. Erweitere die Höhen mit Saturation

Manchmal reicht ein EQ nicht aus, um das obere Ende zu verbessern. Mit einem bisschen Saturation kannst Du neue Harmoniken schaffen, die Begeisterung wecken.

8. Benutze Delays statt Reverb

Für einen modernen Sound müssen die Vocals ganz vorne und direkt vor dir sein. Wenn Du Reverb auf die Stimme anwendest, erreichst Du das Gegenteil – das ist nicht, was Du willst.

Benutze stattdessen einen Stereo-Slapback-Delay, um mehr Raum rund um die Stimme zu erschaffen und um einige Stereobandbreiten hinzuzufügen.

Benutze niedriges Feedback (0 bis 10 Prozent) und leicht veränderte Zeiten links und rechts. Meiner Erfahrung nach funktionieren Delay-Zeiten von 50 bis 200ms am besten.

9. Probiere aus, einen subtilen Plate-Reverb hinzuzufügen

Um der Stimme mehr Bandbreite und Tiefe zu geben, probiere aus, einen subtilen Stereo-Plate zu den Vocals hinzufügen.

Du solltest unbedingt vermeiden, dass dieser Reverb bemerkbar ist, wie wir schon im vorigen Tipp erwähnt haben. Bring stattdessen die Wetness hoch, bis Du den Hall bemerkst, und fahre sie dann ein wenig zurück.

Beginne mit der kürzest möglichen Decay-Zeit und einem Pre-Delay von 60ms, um den Transienten ein wenig mehr Definition und Raum zum Atmen zu geben.

10. Probiere aus, einen subtilen Chorus-Effekt hinzuzufügen

Eine andere Methode aus, der Stimme ein wenig Tiefe und Glanz zu geben, ist, einen subtilen Chorus-Effekt anzuwenden. Auch hier solltest Du vermeiden, dass dieser Effekt bemerkbar ist. Füge einen Stereo-Chorus hinzu und erhöhe die Wetness, bis Du den Effekt bemerkst. Anschließend solltest Du ihn ein wenig reduzieren.

Abschließende Worte

Die Vocals sind extrem wichtig und verlangen mehr Zeit beim Abmischen als die meisten anderen Instrumente. 

Aber sobald Du die 10 Techniken aus diesem Artikel angewendet hast, bist Du einem modernen, professionellen Sound einen Schritt nähergekommen.

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