Als es klar wurde, dass es wohl noch eine Weile dauern könnte, bis wir zur Normalität zurückkehren würden, haben viele Künstlerinnen und Künstler sich beeilt, Sessions im Livestream auf ihren Social-Media-Konten zu präsentieren. Anfangs haben wir uns daran gewöhnt, mehr Live-Konzerte und DJ-Sets aus den Studios und Wohnungen unserer Lieblingskünstler zu erleben. Aber schon bald wurde aus diesen Live-Streams ein Trend, bei dem so ziemlich alles ging. Jetzt gehen sogar Freunde auf Instagram live, weil – warum nicht?

Versteht mich nicht falsch – ich bin nicht dagegen. Im Gegenteil: Ich bewundere jeden, der sich bemüht, in diesen Zeiten in Kontakt und aktiv zu bleiben. Aber was soll man tun, wenn schon der Gedanke an einen Livestream bei einem zu ungeahnten Ängsten führt? Wie motiviert man sich, wenn man Lampenfieber bekommt, wenn man die vielen Menschen im eigenen Feed bemerkt?

1. Richte deine Aufmerksamkeit nach innen.

Nutze diese Gelegenheit, um dir Gedanken darüber zu machen, wie du deine künstlerischen Projekte, deine Karriere oder deinen Lebensstil gestalten willst. Letztlich ist alles nur eine Phase: Es wird der Zeitpunkt kommen, an dem dies ein Ende hat und an dem wir uns an eine ganz neue Form der Normalität gewöhnen werden müssen. Es ist keine schlechte Idee, darüber nachzudenken, wie du dann deine eigene Welt gestalten möchtest.

Vermisst du es, mit anderen Musikern zusammenzuarbeiten, oder ist dir aufgefallen, dass du lieber alleine schreibst? Welche Priorität besitzt dein künstlerisches Projekt für dich?

Es gibt hier keine richtigen oder falschen Antworten. Du befindest dich auch nicht in einem unglaublichen Rennen um den ersten Platz. Hier geht es darum, dass du dein eigenes Leben lebenswert gestaltest – nicht nur als Künstler, sondern auch als menschliches Wesen.  

2. Erstelle eine Liste all der Dinge, die du jetzt erledigen kannst.

Du hast jetzt weit mehr Zeit denn je, um zu arbeiten – in deinem eigenen Tempo. Du kannst deinen Computer aufräumen, deine Diskografie, deine Sample Library oder deine Kontakte organisieren, und kannst all die langweiligen administrativen Arbeiten erledigen, die du so lange vernachlässigt hast. Du kannst dir alte Demos anhören oder dein nächstes Album planen. Falls du zu nervös bist, jetzt Liveshows über dein Smartphone zu spielen, kannst du stattdessen an deinem Live Set arbeiten. Selbst wenn du keine Instrumente spielst, gibt es keinen Grund, warum du nicht deine Vocal Performance trainieren solltest.   

Mir ist während dieser Quarantäne aufgefallen, dass es mir hilft, eine ständige „To Do“-Liste mit kreativen und geschäftlichen Aufgaben zu führen. Das gibt mir das Gefühl, dass mein Projekt lebendig ist. Es kann absolut wundervoll sein, wenn ich mich in meinem Zimmer einschließe und den ganzen Tag Musik mache. Aber irgendwann erreiche ich den Punkt, an dem ich die Perspektive verliere und ich mich frage, ob das alles ist, was ich tue – Tag für Tag. Die meisten Künstler blühen aus gutem Grund auf, wenn sie eine Balance zwischen Schreiben, Touren und dem Veröffentlichen von Musik erreichen. Der Fakt, dass diese Balance eine Voraussetzung für den Erfolg ist, hat sich nicht geändert: Wir müssen jetzt nur diejenigen sein, die die Verantwortung übernehmen, um eine Balance zu finden, die für uns funktioniert – wir können nicht einfach anderen folgen! 

3) Stell eine Liste mit all den Dingen zusammen, die du nach der Quarantäne tun willst

Du denkst vielleicht, dass es völlig sinnlos ist, derzeit Shows oder selbst Studiozeit zu buchen.  Aber wenn du nur in den Abgrund schaust, fühlst du dich dadurch auch nicht besser. Wenn du deine Pläne auf Papier bringst, hast du die ersten Schritte unternommen, um sie Wirklichkeit werden zu lassen. Der Zeitpunkt wird kommen, an dem du sie auch in deinen Kalender eintragen kannst. Aber wenn du dir jetzt nicht mal die Zukunft ausmalst, verlierst du bald auch den Willen, diese Dinge zu tun.    

4) Kümmere dich ums Geschäft, auch wenn es langweilig ist.

Es gibt ein paar Dinge auf meiner Liste, die ich bereits seit einiger Zeit anstarre. Ich muss mein Genius-Profil mit den Texten all meiner Songs updaten (und noch dazu ein paar Hintergründe hinzufügen). Ich wollte schon immer mal ein paar Videos teilen, in denen ich meine Songs herunterbreche, um den kreativen Prozess hinter jeder meiner Platten zu erklären. Ich hatte nur noch nie die Chance dazu. Ich habe auch schon länger auf ein Opening in meinem Terminkalender gewartet, um ein Sample Pack zu veröffentlichen. Angesichts einiger neuer Single in den Stores sollte ich wohl besser auch ein paar Pressemitteilungen schreiben und meine Bio updaten.

Selbst wenn du nicht planst, in nächster Zeit neue Musik zu veröffentlichen, lohnt es sich jetzt, deine Geschäfte in Ordnung zu bringen. Und wenn du nicht so viel über die geschäftliche Seite der Musik weißt, kannst du es doch gerade jetzt lernen, oder?   

5) Sei offen für Kollaborationen aus der Distanz.

Ich habe diese Woche einen neuen Song zusammen mit einem Produzenten aus Albanien veröffentlicht. Ich habe ihn nie persönlich getroffen – wir waren lediglich online in Kontakt. Ich mochte das Demo, das er mir geschickt hat, und auch seine früheren Arbeiten. Wir haben eine Vereinbarung vor Beginn des Projekts getroffen, also dachte ich mir: Warum nicht den Versuch wagen? Ich kann mit Freude sagen, dass unsere Releasekampagne bisher gut verlief: Unser Song wurde von einem EDM-Label – Magic Records – aufgegriffen und wir landeten in der türkischen „New Music Friday“-Playliste auf Spotify!

Falls du ein Singer/Songwriter bist und deine Vocals zuhause aufnehmen kannst, gibt es keinen Grund, warum du nicht nach Möglichkeiten suchen solltest, um mit Produzenten und Songwritern aus der Distanz zusammenzuarbeiten. Mehr noch: Warum schreibst du nicht auch Künstlern, zu denen du aufschaust? Was hast du zu verlieren?                                           

6. Erlerne neue Fähigkeiten, die du für dein Künstlerprojekt nutzen kannst.

Falls du ein EDM-Produzent bist, kannst du dir selbst beibringen, wie du Audio Visualizer in Adobe After Effects nutzt. Falls du eine Performerin bist, die Schwierigkeiten mit dem eigenen Make-Up hat (so wie ich), kannst du es jetzt üben und einige YouTube-Tutorials anschauen, wie andere Künstler das hinkriegen. Und du musst nicht unbedingt Photoshop mieten, um visuelle Inhalte für dein Projekt zu designen: Es gibt so viele nutzerfreundliche Mobilapps, die du verwenden kannst – und viele kannst du kostenlos downloaden!                             

7. Werde fit – körperlich, mental und emotional.

Diejenigen, die die Früchte von Meditation und Therapie genießen, und diejenigen, die viel trainieren, haben eines gemeinsam: Sie predigen, was sie praktizieren – aus gutem Grund!

Wenn du dich nicht selbst antreibst, um körperlich aktiv, mental engagiert und mit deinen Emotionen verbunden zu bleiben, fühlst du dich irgendwann zwangsläufig gefangen und geschlagen. Es ist einfach, die Motivation für diese Dinge zu verlieren, aber das Ende dieser Quarantäne ist in Sicht. Wenn der Zeitpunkt gekommen ist, an dem wir wieder ausgehen und uns mit Menschen treffen können, entsteht das Bedürfnis dazu nicht so schnell, wenn du dich jetzt nicht um einen inneren Einklang bemühst.

Viele Musiker ignorieren die Tatsache, dass der einfache Akt, das Haus zu verlassen und das eigene Leben in der Außenwelt zu leben, eine der wichtigsten Quellen für Kreativität ist. Deshalb ist es so wichtig, diesen Leerraum jetzt zu füllen. Du kannst nicht ins Fitnessstudio gehen, aber du kannst zuhause trainieren. Du kannst nicht zu einer Happy Hour mit Freunden gehen, aber du kannst eine auf Zoom veranstalten. Du denkst vielleicht, dass du nicht viel zu sagen hast, aber vielleicht musst du deine Gedanken einfach nur aufschreiben, damit sie aus Dir herauskommen können.                                     

Ob du es glaubst oder nicht – all diese Dinge können auch einen Einfluss darauf haben, wie du über deine Musik denkst. Falls du eine Menge Stimmungsschwankungen erlebst und es für dich schwierig ist, dich morgens auf den anstehenden Tag zu freuen, ist es vermutlich Zeit für Veränderungen. Wenn diese Veränderungen zu neuen, gesunden Gewohnheiten führen, hast du zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. As Live Performer wirst du dankbar sein, wenn du dich während der Quarantäne fit gehalten hast. Als ein Songwriter bist du froh, dass du dich dazu gebrachst hast, deine Gedanken zu einem Zeitpunkt niederzuschreiben, als du das nicht für möglich gehalten hast.            

Es ist wichtig, dass wir diese Phase nicht nur körperlich und finanziell überstehen, sondern auch psychologisch. Aber auch wenn wir netter mit uns selbst umgehen – das heißt nicht, dass wir aufhören sollten, uns zu verbessern. Herausforderungen, die wir uns selbst stellen, lösen andere Dinge in unserem Hirn aus als Herausforderungen, die uns das Leben in den Weg wirft. Sie führen zu größerem Selbstbewusstsein, was wiederum mehr Motivation bringt. Und wenn du aufgeben willst, weil du glaubst, dass das Letzte, was du jetzt brauchst (wo alles schon so schwierig ist), eine weitere Herausforderung ist – frag dich doch: Wie sonst findest du Selbsterfüllung?

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