Geschrieben von Patrick McGuire

Für optimistische Musiker ist die Versuchung, das Coronavirus als kreative Gelegenheit anzusehen, wegen der man zuhause bleiben und eine Menge Musik machen kann, schwer zu widerstehen. Man könnte denken, dass mehr Zeit zuhause auch mehr Zeit zum Schreiben, Aufnehmen, Produzieren und Promoten bedeutet. Aber die Realität ist: Die Dinge, die um dich herum in der Welt und in deinem eigenen Leben geschehen, können es schwierig oder gar unmöglich machen, sich auf Musik zu konzentrieren. Wenn du in diesen unsicheren Zeiten zu viel auf einmal tust, kann das dazu führen, dass du die Gefahr eines kreativen Burnouts eingehst – und du kannst damit deiner Karriere als Musiker schweren Schaden zufügen. Wenn du in deinem kreativen Leben Raum für Pausen, Geduld und Rücksicht lässt, hast du beste Chancen, während dieser Coronavirus-Krise produktiv und dauerhaft Musik zu machen,

Mach es dir nicht zu schwer

Niemand auf der Welt ist gegen die Auswirkungen des Coronavirus immun. Egal, wer du bist, wie alt du bist oder wo du lebst – diese Krise hat mit ziemlicher Sicherheit dein Leben ernsthaft auf den Kopf gestellt. Du solltest aber deine Musikroutine nicht als Chance ansehen, um zu vergessen, was in deinem Leben und mit den Menschen, die dir wichtig sind, passiert – stattdessen ist es unheimlich wichtig, dass du eine große Herausforderung durchstehst. Denk daran, wenn du das Gefühl hast, dass du einen Song nicht fertig schreiben kannst oder wenn du versucht bist, dich zum Arbeiten an deiner Musik zu zwingen. Dein Fokus und deine Energie gehen derzeit vermutlich in alle möglichen Richtungen, und das ist verständlicherweise frustrierend. Aber du musst dich deswegen nicht selbst runtermachen oder dich schlecht fühlen, wenn du nicht so tiefgehend oder produktiv arbeiten kannst wie sonst. Am Ende bist du einfach nur müde und frustriert. Wenn du rücksichtsvoll mit dir selbst umgehst und Geduld zeigst in diesen komplizierten und unsicheren Zeiten, ist das das Beste, was du für dich selbst tun kannst.   

Erzwinge nichts

Ernsthafte Musiker sind es gewöhnt, sich durch Herausforderungen zu ackern, die unüberwindbar wirken – und sie werden dadurch besser. Wir sehen uns allerdings leider einer Herausforderung entgegen, die weit ernster ist als das Problem, ein neues Instrument zu lernen, eine negative Rezension zu verarbeiten oder in einem leeren Club zu spielen. Wenn du dich zwingst, produktiv zu sein, kann das ins Gegenteil umschlagen, weil es deine Motivation untergraben kann und dich davon ablenkt, was du brauchst, um als Mensch zu wachsen. Wir alle erleben aus verschiedenen Gründen ein Burnout, aber am Ende liegt dieser daran, dass wir mehr Ressourcen in unsere musikalischen Karrieren stecken, als wir wirklich geben können. Es ist sehr wahrscheinlich, dass du dich an einigen Tagen nicht motiviert genug fühlst oder nicht die Geduld hast, um dich mit deiner Musik zu beschäftigen. Du solltest dich deswegen aber nicht schlecht fühlen. Zwing dich nicht dazu zu arbeiten, wenn du dich gerade nicht mit deiner Musik beschäftigen willst oder kannst, sondern sei geduldig mit dir selbst in dieser Phase. Stell dein Instrument beiseite, schließe deine Digital Audio Workstation, und mach an einem anderen Tag weiter. Denk daran: Lebenslange Musiker sind Langstreckenläufer, keine Sprinter. Pausen sind gut für deine musikalische Karriere. Dich zu pushen, obwohl dir der Fokus und die Motivation fehlen, ist dagegen nicht gut.    

Konzentriere dich auf die Dinge, die dir am wichtigsten sind

In diesen schwierigen Zeiten fällt es dir möglicherweise weit schwer als sonst, nervige Aufgaben anzugehen – etwa deine Musik bei Blogs zu pitchen oder schwierige musikalische Passagen auf deinem Instrument zu meistern. Du kannst einen musikalischen Burnout vermeiden, indem du einfach mal den Pausenknopf für diese Aktivitäten drückst und dich stattdessen verstärkt auf die Dinge konzentrierst, die du in deiner Musik ganz besonders liebst. Dadurch erhältst du deine kreative Energie und deine Begeisterung, und du gibst deinen Bemühungen während dieser Zeit eine Struktur. Du solltest dich außerdem unbedingt bemühen, externen Druck so weit wie möglich zu entfernen. Wenn du dich momentan bemühst, populärer zu werden, oder du dich zu sehr darauf konzentrierst, diese schwierigen Zeiten zu nutzen, deine Musik zu formen, kann dir das sehr leicht den Spaß nehmen und dein kreatives Potenzial mindern. Fokussiere dich darauf, was du am Musikmachen liebst, und erledige es so, wie es derzeit am besten in dein Leben und zu deinen derzeitigen Erfahrungen passt. 

Achte auf dich

Unter normalen Umständen ist es sehr einfach, durch den Alltag deiner Karriere als Musiker zu gleiten, ohne dass du dir Zeit zum Reflektieren nimmst. Dies sind aber keine normalen Umstände, und deshalb ist es wichtig, dass du auf dich selbst achtest, um einen Burnout zu vermeiden. Das bedeutet, dass du mal keine Musik erschaffst, sondern eine Pause nimmst und dich selbst fragst, wie du dich fühlst, ob du Spaß daran hast, was du tust, und du dich fragst, ob die Arbeit, in der du steckst, dir wirklich dabei hilft, deine Ziele zu erreichen. Auf sich selbst zu achten, zählst absolut als Arbeit mit Musikbezug, weil es nicht immer einfach, aber gerade in diesen unsicheren Zeiten absolut notwendig ist. Der erste Schritt: Stell dir selbst Fragen. Der zweite Schritt: Höre zu und handle. Wenn du das Gefühl hast, überwältigt zu sein, du keine Energie hast oder dir Inspiration fehlt, dann ist es Zeit, einen Schritt zurückzutreten und sich erst einmal auf die Dinge zu konzentrieren, die den nicht-musikalischen Teil deines Lebens darstellen. Du magst dich geschlagen und ziellos fühlen, wenn du diesen Schritt gehst. Aber dieser Schritt kann dir sogar helfen, langfristig deine Kreativität zu erhalten.

Es gibt kein Handbuch, wie man mit einer Krise wie dieser umgehen soll. Aber es wichtig, daran zu denken, dass Burnout ein Problem ist, das Musiker selbst unter den besten Umständen befallen kann. Wenn du in dieser Phase einen rücksichtsvollen, geduldigen Zugang zu deiner Arbeit wählst, wirst du in der Lage bleiben, dich darauf zu konzentrieren, als Musiker zu erschaffen und zu erforschen.

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